Von der Schlüsselblume bis zum Sauerklee
Die Biologin Martina Schnaidt zeigt Besuchern seltene Pflanzen auf dem Gelände der Ökostation
Von Katharina Rosenbaum
Schönebeck. Das Gelände der Ökologiestation ist ein Refugium seltener Pflanzen. Von den über 1000 Wildpflanzen die dort wachsen stehen 13 Arten auf der roten Liste. Darunter die hohe Schlüsselblume, die Teufelskralle und das Breitblättrige Knabenkraut.
"Das Gelände ist struktur- und biotopreich", erklärt Biologin Martina Schnaidt mit Blick auf Feuchtwiesen und Waldpflanzen, die hier beste Wachstumsbedingungen vorfinden. „Der Wald ist sehr alt", erzählt die Biologin. Bereits auf Karten aus dem 18. Jahrhundert sei er vermerkt. Auch inzwischen seltene Pflanzen wie Lungenkraut und Schlüsselblume, weisen diesen Wald als sehr alt aus.
Heilpflanzen und -kräuter
"Der Boden ist hier sehr nährstoffreich", erklärt Schnaidt. Dank einer Tonschicht staue sich das Wasser im unteren Bereich des Waldes, das im höher gelegenen Teil versickere. Damit bleibe diesem Waldstandort das Schicksal anderer Wälder erspart, die mit Hilfe künstlich angelegter Gräben entwässert worden seien. Das hier ebenfalls vor 30 Jahren vorgefundene Grabensystem sei nach Eröffnung der Ökologiestation zurückgebaut worden, berichtet Schnaidt.
Die seltenen Pflanzen, die die Expertin ihren Besuchern zeigte, dienten früher nicht selten als Heilpflanzen oder wurden in der Küche verwendet. „Mädesüß" zum Beispiel wurde von Kräuterkundigen in der Medizin gegen Kopfschmerzen eingesetzt. "Diese Pflanze wird allerdings auch von den Rehen gerne gefressen. In unserem Kräutergarten schafft sie es schon gar nicht mehr bis zur Blüte", erzählt die Biologin.
Sauerklee erfreut sich besonderer Beliebtheit bei den Kindern, die das Stationsgelände besuchen. Allerdings ist auch hier Sachkunde erforderlich. Denn zuviel ist von Übel. Unter Umständen kann zu üppiger Genuss des Sauerklees zu Nierensteinen führen, so die Warnung von Marina Schnaidt.
Der Vielblütige Weißwurz, ebenfalls auf dem Gelände der Station beheimatet, ist bereits seit über tausend Jahren unter dem Namen Salomonsiegel als Heilpflanze bekannt. Helfen sollte die Heilpflanze unter anderem gegen Hühneraugen.
Sehr vitaminreich sei das Scharbockskraut. Es sei oft und ausgesprochen erfolgreich bei Kranken eingesetzt worden, die unter der Mangelerkrankung Skorbut litten.
Ebenfalls als Erfolgsträger in Sachen Heilwirkung von Kräutern und Pflanzen galt der Medizin der Vergangenheit laut Schnaidt die hohe Schlüsselblume, die als Mittel gegen hartnäckigen Husten zur Anwendung kam.