Umweltpreis: Kinder für ökologische Themen gewinnen
Vier Projekte werden mit insgesamt 25 000 Euro gefördert / Ziel: Kinder sollen die Zusammenhänge in der Natur begreifen
Von Bernd Schneider
Bremen. Wenn etwas innovativ ist, also Neuerungen schafft, dann taugen alte Wörter selten zur Beschreibung: "Geocaching", "Coyote-Teaching", "Klimakoffer" und, etwas vertrauter vielleicht, "Umweltdetektive" - das sind die vier innovativen Projekte, die mit dem Bremer Umweltbildungspreis 2010 gefördert werden. 25 000 Euro gibt das Koordinationsbüro Umwelt Bildung Bremen dafür aus, 15 000 davon kommen direkt vom Umweltsenator, der Rest aus Spenden, erklärt Jürgen Ritterhoff, Geschäftsführer der Bremer Umwelt Beratung.
Der Preis soll helfen, Kinder für ökologische Fragen zu gewinnen, ihnen Zusammenhänge aus der Welt der Natur klarzumachen. Wer zu diesem Thema neue Ideen hatte, wer Projekte entwickelt hat, die auch längerfristig weiterlaufen können, wer zudem die sozialen Kompetenzen der Kinder im Blick behielt, der hatte durchaus Chancen, einen Anteil am 25 000-Euro-Kuchen zu ergattern. Zwölf Einrichtungen haben sich um das Preisgeld beworben, unter vier von ihnen wird es nun aufgeteilt: der Nabu (Naturschutzbund Deutschland), die Kinderschule Bremen in Hastedt (Kischu), die Naturfreunde und die Ökologiestation in Bremen-Nord.
Der größte Brocken, 10 000 Euro, gehen an den Nabu. "Es wird immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für die Natur zu interessieren", sagte gestern dessen stellvertretende Geschäftsführerin Heidrun Nolte. „Der Computer und das Handy bestimmen ihren Alltag, die haben kaum noch ein Interesse an der realen Umwelt."
Mit GPS die Natur entdecken
Die Brücke in die Natur soll jetzt das Geocaching schlagen - eine Art Schatzsuche mit Hilfe des Satelliten-Navigationssystems GPS, über das heute schon viele Mobiltelefone verfügen. "Das Handy scheint vielen am Gürtel festgewachsen zu sein", sagt Nolte. Weil das so ist, sollen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren nun auf dem Geländer des Nabu-Schullandheims Dreptefarm in Wulsbüttel per GPS ihre Routen durch die Natur finden. So navigieren sie etwa zu einem Bach, befassen sich mit Gewässergüte, den Pflanzen im Biotop und dem Eisvogel, der dort jagt. Erst dann haben sie die Informationen, die sie brauchen, um die nächste Station anzusteuern.
7000 Euro kann die Kischu für ein Projekt einplanen, das sie zusammen mit der Wildnisschule Wildeshausen konzipiert hat, und das unter der Bezeichnung "Coyote-Training" läuft. Pädagogisch betrachtet strebt es eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung an, Ausgangspunkt sind ganz direkte Naturerfahrungen: "Sie sollen die Kinder neugierig machen", erläutert Judith Wilhelm. "Die Kinder wollen dann etwas wissen: Was ist das für ein Tier? Was für eine Spur? Und dann sagen wir: Hier ist das Buch, guck da doch mal rein." In den Camps machen die Grundschüler aus der Stadt dann ganz neue Erfahrungen: "Wenn niemand Wasser holt, gibt es nichts zu trinken. Wenn keiner Feuer macht, gibt es keinen Tee." So einfache Erfahrungen zeigen: „Mein Handeln hat Konsequenzen." Erst hier und heute, auf lange Sicht aber auch global.
Die Naturfreunde können 5 000 Büro einplanen, um einen "Klimakoffer" zu entwickeln, mit dem sie unter anderem in Togo über ökologische Zusammenhänge aufklären wollen. Und die Ökologiestation kann 3 000 Euro einplanen, um in der Schönebecker Aue "ökologisches Basiswissen" zu vermitteln. Kinder sollen dort Patenschaften für einzelne Biotope übernehmen, und werden entsprechend geschult, erläutert Martina Schnaidt von der Ökologiestation.